Magengeschwür (Ulcus ventriculi) und Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
Was ist ein Magengeschwür, was eine Magenschleimhautentzündung?
Von einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) spricht man, wenn die Magenschleimhaut an einer bestimmten Stelle geschädigt ist. Diese Schädigung oder auch „Wunde“ kann bis in die tiefen Muskelschichten des Magens reichen. Man bezeichnet sie in der medizinischen Fachsprache als Läsion. Stress, bestimmte magenschädigende Medikamente (z.B. Schmerzmittel, Antirheumatika) sowie gewisse Bakterien – wie Helicobacter pylori – können unter anderem zu einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und in der Folge zu einem Magengeschwür führen (Ärzte sprechen von einem Ulcus ventriculi). Es besteht ein Missverhältnis zwischen den schützenden Faktoren der Magenschleimhaut und aggressiven Faktoren (Magensäure). Sind zuviel Säure oder zu wenig schützende Faktoren vorhanden, wird die Schleimhaut geschädigt – Raum für ein Magengeschwür entsteht.
Wenn lediglich die oberste Schicht der Magenschleimhaut von dem Geschwür betroffen ist, bezeichnen Mediziner dieses Geschwür als „Erosion“. Dringt das Geschwür auch in tiefere Schleimhautschichten des Magens ein und beschädigt dabei Blutgefäße, kommt es zu einer Blutung. Der Magenulkus, wie das Magengeschwür auch bezeichnet wird, ist ein gutartiges Geschwür, das leicht mit säurehemmenden Medikamenten behandelbar ist.
Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
Auch im benachbarten Zwölffingerdarm können Geschwüre entstehen. Dort, genauer gesagt am Beginn des Zwölffingerdarms, sind Geschwüre sogar häufiger zu finden als im Magen. Typisch für das Zwölffingerdarmgeschwür ist der Nüchternschmerz, der sich ca. zwei Stunden nach einer Mahlzeit bemerkbar macht. Die Schmerzen treten vorwiegend in der Mitte des Oberbauchs, nach rechts ausstrahlend auf.
Ursache ist ein Ungleichgewicht zwischen der Säureproduktion im Magen und dem alkalischen Verdauungssaft des Duodenums (Zwölffingerdarm). Nachdem im Magen zu viel Säure produziert wird, im Zwölffingerdarm dagegen zu wenig basische Bicarbonate, kann die Säure im Zwölffingerdarm nur ungenügend neutralisiert werden. Dort kann sie an der defekten Schleimhaut einen lokalisierten Schaden anrichten.
Symptome eines Magengeschwürs
Zu den Leitbeschwerden eines Magengeschwürs (Ulcus ventriculi) und des Zwölffingerdarmgeschwürs (Ulcus duodeni) gehören primär Schmerzen im Oberbauch. Beim Magengeschwür treten die Schmerzen vorwiegend unmittelbar nach der Nahrungszufuhr auf. Die Magenschmerzen sind in der Mitte des Oberbauchs, bzw. gelegentlich auf der linken Seite gelegen. Übelkeit und Appetitlosigkeit sowie Abneigung gegenüber Kaffee und fettreicher Nahrung, kohlensäurehaltigen Getränken und Zitrusfrüchten sind ebenfalls Magengeschwür-Beschwerden.
Lokalisation
Magengeschwüre entstehen vor allem in bestimmten Bereichen des Magens – an der Innenkrümmung und im Magenkörper. Die Innenkrümmung des Magens bezeichnet man als kleine Kurvatur.
Häufigkeit des Magengeschwürs
Nach dem Fachbuch für Innere Medizin von Gerd Herold (Hrsg., 2005) ist das Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) drei Mal häufiger als der Magenulkus (Magengeschwür oder Ulcus ventriculi): Die Häufigkeit für den Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür) beträgt 150 pro 100.000 Menschen jährlich. Das Magengeschwür tritt mit 50/100.000 Erkrankungen jährlich auf. Männer sind im Verhältnis 3:1 häufiger als Frauen betroffen.
Geschwüre des Zwölffingerdarms tauchen in der Regel schon vor dem 30. Lebensjahr auf, d.h. früher als Magenulzera (Magengeschwüre). Kinder von Magengeschwür-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) zu erkranken. Ebenso ist bei Menschen mit der Blutgruppe 0 das Risiko um 50% erhöht.
Die Neigung, an einem Magengeschwür zu erkranken, ist meist angeboren. Die Anfälligkeit für Magengeschwüre kann sich aber im Laufe des Lebens auch erst entwickeln. Eine erhöhte Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems, z.B. bei Stress (Patienten sind leichter erregbar), wird auf dieser Grundlage häufig diskutiert.
Mögliche Auslöser eines Magengeschwürs
• Bestimmte Medikamente (z.B. Schmerzmittel, vor allem mit Acetylsalicylsäure oder Antirheumatika)
• Helicobacter pylori (Magenbakterium, s. Kapitel „Entstehung“)
• Gestörte Magenbewegungen (in der ärztlichen Fachsprache: Peristaltik-Störung)
• Krankhaft gestörte Magensäureproduktion
• Stress in jeglicher Form – privater oder beruflicher Art
• Emotionale Aufregung
• Nikotin/Rauchen
• Hochprozentiger Alkohol
• Bestrahlungen
• Depressionen
Birgit Lindner